Endlich Wohlgschaft Biographie erschienen

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Ralf Harder
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Re: Wohlgschaft, Karl May: Leben und Werk, Band 1

Beitrag von Ralf Harder »

Ben Nemsi hat geschrieben: 29.4.2026, 12:35 Besonders auf die Beziehung zu und die Ehe mit Emma Pollmer geht der Biograph ausführlich ein. Dabei zeichnet er ein Bild von Mays Frau, dass scheinbar satanische Züge annimmt. Er schlägt da in die gleiche Kerbe wie May 1907 in seiner Pollmer-Studie Frau Pollmer, eine psychologische Studie. Warum Karl May Jahrzehnte mit Emma verheiratet blieb, erschließt sich mir aus Wohlgschafts Text nicht. Dass er aber so einseitig Partei für May ergreift, irritiert mich schon. Vielleicht ist es der Abstand der Lebensjahre, der mich jungen Spund diese Beziehungsgeschichte anders auffassen läßt. Mir scheint, dass May zu seiner Frau keine empathische Beziehung aufgebaut hatte. Für eine schlechte Ehe, die in eine Scheidung mündet, sind doch, wie ich meine, letztlich immer beide Ehepartner verantwortlich (das Wort Schuld ist mir in diesem Zusammenhang zu altertümlich).
Vor zwei Jahren hätte Hermann Wohlgschaft noch selbst antworten können. Ich weiß aber, dass er, was die Person ›Emma Pollmer‹ betrifft, die langjährige Auffassung von Hans Wollschläger teilte, die ›Studie‹ sei weitgehend im Kern authentisch. Um dies ausführlich zu belegen, erschien 2001 das ›Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft‹ unter der geschäftsführenden Herausgeberschaft Wollschlägers ausnahmsweise als Monographie:

»Gabriele Wolffs ›Ermittlungen in Sachen Frau Pollmer‹ sind eine biographische Untersuchung – und zugleich noch weitaus mehr. Es geht um Karl Mays erste Frau Emma, von der er sich nach 22-jähriger Ehe scheiden ließ und über die er ein autobiographisches Buch schrieb: ›Frau Pollmer, eine psychologische Studie‹, eine Schrift, die in seinem Werk einzig dasteht und darin sicherlich auch ein einzigartiges Interesse verdient. An sich ist das Leben Karl Mays und seiner Nächsten ganz erstaunlich dokumentiert: der unglückliche Umstand, daß er schon früh mit Behörden und Gerichten zu tun bekam und beide mit nur kurzer Unterbrechung bis an sein Lebensende beschäftigte, hat sein glückliches Gegenstück darin mit sich gebracht, daß von Händen beider Einrichtungen so viele unermüdlich gefertigte Niederschriften auf die Nachwelt gekommen sind, wie sich ein Biograph nur wünschen kann. Aber wo so viele Stimmen über einen Menschen durcheinander reden, nähert sich die Gefahr, daß man sein eigenes Wort kaum noch richtig verstehen kann, und ›die Wahrheit‹ besteht am Ende aus sehr vielen verschiedenen, durchaus unterschiedlichen Wahrheiten; sie machen ihren Gegenstand, so scheint es, nur noch schwerer erkennbar. Wir wissen viel, auch über die unselige Emma Pollmer-May -: wieviel denn wissen wir? […] Gabriele Wolff, Oberstaatsanwältin im zivilen Beruf, hat der verwirrenden Parteien Gunst und Haß noch einmal zur Vernehmung geladen, und das Ergebnis ist eine Scheidung von Gut und Böse, von Wahr und Unwahr, von Subjektiv und Objektiv, wie sie so genau und bestimmend bisher noch nie gelingen konnte. Das Ergebnis sei hier nicht vorweggenommen. Aber in einem Satz immerhin läßt es sich ankündigen: Das viele Wenige, das zu wissen ist, kann künftig mit weit größerer Sicherheit gewußt werden.«
https://www.karl-may-gesellschaft.de/km ... 2001/7.htm
Ben Nemsi
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Nachdenken über Wohlgschaft, Karl May: Leben und Werk, Band 1

Beitrag von Ben Nemsi »

Ralf Harder hat geschrieben: 30.6.2026, 19:54 Vor zwei Jahren hätte Hermann Wohlgschaft noch selbst antworten können. Ich weiß aber, dass er, was die Person ›Emma Pollmer‹ betrifft, die langjährige Auffassung von Hans Wollschläger teilte, die ›Studie‹ sei weitgehend im Kern authentisch. Um dies ausführlich zu belegen, erschien 2001 das ›Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft‹ unter der geschäftsführenden Herausgeberschaft Wollschlägers ausnahmsweise als Monographie:

»Gabriele Wolffs ›Ermittlungen in Sachen Frau Pollmer‹ sind eine biographische Untersuchung – und zugleich noch weitaus mehr. Es geht um Karl Mays erste Frau Emma, von der er sich nach 22-jähriger Ehe scheiden ließ und über die er ein autobiographisches Buch schrieb: ›Frau Pollmer, eine psychologische Studie‹, eine Schrift, die in seinem Werk einzig dasteht und darin sicherlich auch ein einzigartiges Interesse verdient. An sich ist das Leben Karl Mays und seiner Nächsten ganz erstaunlich dokumentiert: der unglückliche Umstand, daß er schon früh mit Behörden und Gerichten zu tun bekam und beide mit nur kurzer Unterbrechung bis an sein Lebensende beschäftigte, hat sein glückliches Gegenstück darin mit sich gebracht, daß von Händen beider Einrichtungen so viele unermüdlich gefertigte Niederschriften auf die Nachwelt gekommen sind, wie sich ein Biograph nur wünschen kann. Aber wo so viele Stimmen über einen Menschen durcheinander reden, nähert sich die Gefahr, daß man sein eigenes Wort kaum noch richtig verstehen kann, und ›die Wahrheit‹ besteht am Ende aus sehr vielen verschiedenen, durchaus unterschiedlichen Wahrheiten; sie machen ihren Gegenstand, so scheint es, nur noch schwerer erkennbar. Wir wissen viel, auch über die unselige Emma Pollmer-May -: wieviel denn wissen wir? […] Gabriele Wolff, Oberstaatsanwältin im zivilen Beruf, hat der verwirrenden Parteien Gunst und Haß noch einmal zur Vernehmung geladen, und das Ergebnis ist eine Scheidung von Gut und Böse, von Wahr und Unwahr, von Subjektiv und Objektiv, wie sie so genau und bestimmend bisher noch nie gelingen konnte. Das Ergebnis sei hier nicht vorweggenommen. Aber in einem Satz immerhin läßt es sich ankündigen: Das viele Wenige, das zu wissen ist, kann künftig mit weit größerer Sicherheit gewußt werden.«
https://www.karl-may-gesellschaft.de/km ... 2001/7.htm
Ist das jetzt die Werbepause, lieber Ralf Harder?

Es spielt doch keine Rolle, ob die damalige Frau Emma May ihren Ehemann Karl beschimpft hat, ob sie bei ihren Mädelsabenden Verwünschungen gegen ihn ausstieß, sich wünschte, er wäre nicht mehr der ihre und so weiter, und so fort. Der Gedanke, den ich in den Raum stellte, war, dass bei der Scheidung beide Eheleute dazu beigetragen haben, dass es zu derselben kam. Hermann Wohlgschaft sel. hat das in Band 2 seiner Biographie so angedeutet. Auch wenn er dies dann wieder für May Partei ergreifend relativierte.
Aber da damals im Deutschen Reich bei Scheidungen das Schuldprinzip galt, war Emma May die Schuldige (so hatten das Karl May, Klara Plöhn und ihre Mutter gemeinsam gut hinbekommen), die auch noch die Prozesskosten zu zahlen hatte.

Außerdem möchte ich noch auf folgendes hinweisen:
Es ist doch wohl für einen 35jährigen Mann schon merkwürdig, ein Liebesverhältnis mit einer minderjährigen - 14 Jahre jüngeren - Frau zu beginnen. Und nachdem ihr Großvater, unter dessen Vormundschaft Emma stand, die Einwilligung zur Eheschließung verweigerte, tief gekränkt, sie, Emma, zur Wahl zu stellen: sich für ihren Großvater oder für ihn, Karl May, zu entscheiden. Holla, die Waldfee, das ist doch ein geradezu unreifes und infantiles Verhalten seitens unseres Lieblingsautor. Wie bereits hingewiesen, May war zu diesem Zeitpunkt bereits 35 Jahre alt.
Lesetipp: Fritz Maschke, Karl May und Emma Pollmer. Die Geschichte einer Ehe

Überhaupt stellt sich doch die Frage, warum Karl May einer 14 Jahre jüngeren, bildungsfernen Minderjährigen hinterherstellte und den Hof machte. Warum suchte er nicht eine Frau, die vom Alter und von der Lebenserfahrung eher zu ihm gepasst hätte?
War es sein Verlangen nach Sex, dass er nicht bei Prostituierten stillen wollte? Wohlgschaft hatte Pollmer in seiner 3bändigen Biographie immerhin als attraktiv geschildert.
Oder wollte Karl May, der als Katechet und Armenlehrer tätig gewesen war, eine junge Frau nach seinem Bilde formen?
Für einen "gläubigen Christen", so wird er von Wohlgschaft bejubelt, ist Mays Verhalten jedenfalls unangemessen.

Ich will hier nicht meine Überlegungen zu Band 2 vorwegnehmen. Denn ich habe noch rund 120 Seiten zu lesen. Aber gerne zitiere ich hier Bernd Biege von den Karl May-Freunden Münsterland. Dieser hat sich Gedanken über "Karl May und seine Sexualität" gemacht. Er zitiert dabei aus
"Karl Mays üble[n] Schmähschrift „Frau Pollmer, eine psychologische Studie.“, in der er als Verfasser einen interessanten Hinweis gibt. Angesichts eines möglichen Treffens mit Emma Pollmer wird ex cathedra gesagt:
„Das machte mich neugierig; aber es war die Neugierde des Schriftstellers, nicht des Menschen. Ich war schon fünfunddreißig Jahre alt und hatte nicht die Absicht, mich an eine Frau zu binden. Meine Pläne erforderten viele, weite Studienreisen, die in solchem Umfange nur dann möglich waren, wenn ich ledig blieb.“
[...] Eine Bindung war also für May gleichzusetzen mit einer Behinderung. Dass er sie dann doch einging, man mag es als gesellschaftlichen Zwang interpretieren. Oder als große Liebe. Oder gar als unheimliche Verhexung, wie May selber es darlegte […].
Doch wer sich die Zeit nimmt, einmal die Auslassungen in „Frau Pollmer, eine psychologische Studie.“ zu lesen, kommt schnell zu einem ganz klaren Schluss: W a s K a r l M a y a m m e i s t e n h a s s t e, d a s w a r e i n e g e s u n d e, v i e l l e i c h t s o g a r f o r d e r n d e
w e i b l i c h e S e x u a l i t ä t. Ja, d i e s e s c h i e n i h n g e r a d e z u a n z u e k e l n." (Quelle: https://www.facebook.com/groups/4836995 ... 431380791/; Hervorhebungen von mir)

Emma Pollmers Gründe sich gegen ihren (geliebten) Großvater und für Karl May zu entscheiden, hat die weiter oben von Ralf Harder aufgeführte Gabriele Wolff in ihrem Buch "Ermittlungen in Sachen Frau Pollmer" schlicht und einfach auf den Punkt gebracht:
"Auf der einen Seite die Frau, die mangels attraktiver Lebensentwürfe für Frauen im wilhelminischen Zeitalter eigenen Erfolg nur über den sozialen Aufstieg des Mannes definieren kann und bei einer schuldhaften Scheidung völlig leer ausgeht. Eigenes Geld hat sie nicht, auch keinen Rechtsanspruch darauf. Auf Gedeih und Verderb verbunden mit einem Ehemann, der zunächst finanziell dürftige Zeiten erlebt, bevor für ihn ab 1892, dem Erscheinen der Fehsenfeld-Buchausgaben, goldene Zeiten anbrechen; ein Ehemann, der aber dann von einer Großzügigkeit (insbesondere für andere) ist, daß Emma angst und bange wird.".

Vorwegnehmend zu meinen Gedanken zu Band 2, stellt sich mir die natürlich Frage, warum May, nach seiner Scheidung von Emma, 1903 erneut eine erheblich jüngere Frau freite - die 22 Jahre jüngere Klara Plöhn. Er heiratete eine Frau, die seine Tochter hätte sein können.

Das soll für heute genügen. In Kürze mehr zu Band 2 von mir.
Illa liqaa wünscht Ben Nemsi
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